Zinskommentar vom 31.10.2008
USA und Japan senken Leitzinsen
von Robert Haselsteiner (Gründer und Vorstand der Interhyp AG)
Die US-Notenbank (Fed) hat am Mittwoch die Leitzinsen um weitere 0,50 Prozentpunkte auf nunmehr 1,0% gesenkt. Auch die Bank of Japan senkte am Freitag die Leitzinsen auf jetzt 0,30%. Die Federal Reserve trägt damit der nochmals verschlechterten Konjunkturlage in den USA Rechnung. Sinkende Konsumausgaben, schwächere Industrieproduktion und schwächere Exportaussichten deuten auf eine längere Rezessionsphase hin.
Da gleichzeitig die Rohstoff- und Energiepreise kräftig sinken, bilden sich auch die Inflationserwartungen deutlich zurück und erlauben eine Rücknahme der Leitzinsen. Gefährlich an dieser Notenbank-Politik ist allerdings, dass das Pulver damit praktisch verschossen ist.
Weitere Leitzinssenkungen in Richtung 0% werden keine Effekte mehr liefern können. Auch die Europäische Zentralbank hat inzwischen angedeutet, dass sie sich mehr Sorgen um das Wachstum als um die Inflation macht.
Für die kommende Woche wird eine Leitzinssenkung um 0,50 Prozentpunkte auf dann 3,25% erwartet. Die aktuellen Inflationszahlen für Deutschland, die auf 2,5% gesunken sind, zeigen in der Tat schon die ersten Effekte der drastischen Preisrückgänge bei Energie und anderen Rohstoffen. Der Anleihemarkt hat bereits in den vergangenen Wochen diese Zinsschritte der Notenbanken vorweggenommen.
Die gesunkenen Renditen über alle Laufzeiten drücken dies aus. Vor diesem Hintergrund ist eher damit zu rechnen, dass bei erfolgter Leitzinssenkung Gewinnmitnahmen am Anleihemarkt erfolgen und Gegenbewegungen nach oben möglich sind.
Tage mit Zinsschwankungen nach unten gilt es daher weiterhin konsequent zu nutzen und besonders mit langen Laufzeiten für Kalkulationssicherheit zu sorgen.
Auch Baugeld mit Zinsbindungen von 15 bis 30 Jahren ist derzeit wieder unter 5% zu haben und bietet damit bei entsprechender Tilgungshöhe Zinssicherheit bis zur völligen Rückzahlung des Darlehens. Für Anschlussfinanzierer empfehlen wir, die immer noch sehr niedrigen Forward-Aufschläge zu nutzen.
Viele Baufinanzierungen aus den Jahren 1999 und 2000 mit damaligen Zinssätzen von über 6% können jetzt bei einem Bankwechsel mit Konditionen deutlich unter 5% verbilligt werden.
Der Kauf einer Immobilie zur Eigennutzung erscheint gerade in diesen unsicheren Zeiten eine gute und sichere Anlage des Eigenkapitals zu sein. Wir empfehlen daher, mehr Eigenkapital einzusetzen und auch höhere Tilgungen zu vereinbaren, da das Besparen der eigenen Immobilie hohe Kalkulierbarkeit im Ergebnis bietet.
Tendenz
kurzfristig: seitwärts
mittelfristig: seitwärts
Geschrieben 09:56 am 02. November 2008
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