Zinskommentar vom 30.04.2009
Gemischte Signale aus den USA
von Robert Haselsteiner (Gründer und Vorstand der Interhyp AG)
In den vergangenen Tagen beeinflussten sehr unterschiedliche Konjunktursignale aus den USA die Entwicklung an den Zinsmärkten. So ist einerseits das Verbrauchervertrauen im vergangenen Monat etwas angestiegen, was dem Konsum helfen könnte. Zugleich war aber der Rückgang der US-Wirtschaftsleistung im ersten Quartal mit annualisiert 6,1% stärker als erwartet und zeigt keine Anzeichen eines echten Aufschwungs.
Der Aktienmarkt ignoriert all das im Moment und setzt seine Erholung fort, auch wenn die Staatsanleihen als Hort der Sicherheit gleichzeitig gesucht sind und es zu leicht rückläufigen Renditen gekommen ist. Bundesbankpräsident Axel Weber hat diese Woche eine weitere Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte auf dann 1,00% in Aussicht gestellt und damit auch der Stimmung am Anleihemarkt geholfen.
Bemerkenswert ist zudem, dass sich derzeit die Offiziellen der Europäischen Zentralbank bemühen, eine Rückkehr von steigenden Inflationsraten für Herbst aktiv zu prognostizieren. Offensichtlich schätzt man die Deflationsgefahr doch so hoch ein, dass man einerseits Leitzinssenkungen für vertretbar hält, andererseits vor steigenden Preisen warnt, um die Konsumenten zum Konsum heute und nicht zum Aufschub auf morgen zu animieren.
Für die nächsten Wochen erwarten wir bei den längerfristigen Kapitalmarktzinsen eine Seitwärtsbewegung mit allerdings recht kräftigen Tagesschwankungen, die ihren Ausgang am amerikanischen Anleihemarkt nehmen.
Wir empfehlen daher, Tage mit Zinsschwankungen nach unten in enger Abstimmung mit Ihrem Finanzierungsberater zum Festzurren der Konditionen zu nutzen. Auf Sicherheit und Kalkulierbarkeit zu setzen, bleibt oberstes Gebot. Zumindest ein Teil der Finanzierung sollte daher mit einer langen Zinsbindung versehen werden, um sich gegen negative Überraschungen bei der Zinsentwicklung abzusichern. Wenn man von der derzeit steilen Zinskurve profitieren möchte, bieten sich Kombinationen mit fünfjährigen Laufzeiten an oder sogenannte 50/50 Kombi-Darlehen, die von den niedrigen Geldmarktzinsen Nutzen ziehen. Dabei kann die Sicherheit einer Festzins-Tranche, z.B. mit einer Zinsbindung von 10 oder 15 Jahren, mit den tiefen Zinsen einer EURIBOR-Tranche kombiniert werden.
Damit verringern sich die monatlichen Belastungen deutlich und auch weitere Leitzinssenkungen werden durch die quartalsweise Anpassung der variablen Tranche direkt zu besseren Konditionen führen. Die variable Tranche kann aber auch zukünftig in ein Festzinsdarlehen gewandelt werden, so dass später Zinssicherheit erlangt werden kann. Zum Zinsanpassungstermin kann die variable Tranche zudem teilweise oder ganz getilgt werden. Damit entsteht große Flexibilität. Gefragt sind derzeit auch sogenannte Volltilger-Darlehen, die einen durchgehenden Zinssatz bis zur endgültigen Rückzahlung bieten. Die höhere festgelegte Tilgung führt dabei zu Konditionsvorteilen.
Tendenz
kurzfristig: seitwärts
mittelfristig: seitwärts
Geschrieben 18:05 am 01. Mai 2009
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